"Nacht der Sinne" in St. Peter und Paul - 29.08.2008

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Zur "Nacht der Sinne" hatte die Gemeinde St. Peter und Paul eingeladen - zur Nacht, "wo Himmel und Erde sich berühren". Viele kamen deshalb, weil sie bereits vor zwei Jahren an einer "Nacht der Sinne" teilnehmen durften und davon begeistert waren, andere schauten eher zufällig herein - einfach, weil die Kirche offen war und neugierig machte.

Bereits das Bild, das sich einem bot, wenn man die noch halbhelle Kirche betrat, versetzte in einen anderen Raum, in eine andere Welt. Da war das blaue Segel, ausgespannt zwischen den beiden mächtigen Pfeilern und einem Punkt, der dem Himmel nahe war; da war aber auch die "Ratinger Monstranz", die rechts am Rand des Chorraums ausgestellt war. Nach der Eröffnung durch die Schola juvenalis begrüßte Pfarrer Bünnagel die Besucherinnen und Besucher. Er lud ein zur enspannten Muße, einfach einen Abend oder auch nur eine Stunde lang, die Gedanken und Gefühle schweifen zu lassen, nichts "müssen zu müssen". Vielleicht spüre man dann - zwischen Bodenhaftung, Lebenslust und Sehnsucht - den eigenen Punkt, "wo Himmel und Erde sich berühren". - Für das Vorbereitungsteam führte Frau Arzt-Müskens in den Abend ein.

"Pange, lingua, gloriosi corporis mysterium" erklang es dann, gesungen von der Schola aus dem Altarraum; "Preise, Zunge, das Geheimnis des wunderbaren Leibs Christi" - und danach führte Hans Müskens in die Geschichte, die Idee, die Spiritualität der Ratinger Monstranz ein - eine "Turmmonstranz" vom Jahr 1394, die der damalige Pfarrer Bruno Meens stiftete. Als Turmmonstranz sollte sie - so beschreibt der Pfarrer seiner Gemeinde den Traum, der ihm die Idee eingab - die Erde mit dem Himmel und den Himmel mit der Erde verbinden. Aber anders als der Turm von Babel, der - im Traum von Pfr. Meens - zusammenbrach, weil ihm die Mitte

fehlt - hat die Turmmonstranz ein Zentrum: Jesus Christus im eucharistischen Brot; Jesus Christus hält Himmel und Erde, die Basis und die Spitze des Turms zusammen; zugleich hat der Turm so viele Nischen und Ecken und Nester, der jeder Mensch dort einen Platz finden kann, an dem er aufgehoben ist und sich geborgen fühlt. - Während der Einführung von Hans Müskens wurden Detailbilder der Monstranz an das Segeltuch projiziert; die Gesänge der Schola gaben den Zuhörerinnen und Zuhörern die Zeit, die sie brauchten, um dem Gehörten nachzusinnen. - Als ob auch hier die Polarität von Erde und Himmel nachgebildet werden sollte, konnte man nach den Männerstimmen der Schola zum Ende dieses Teils die Frauengruppe "Cantilena" aus Münster hören, erst von vorn, dann von der Orgelbühne.

Die Texte von Hans Müskens: Meditation - der Traum von Bruno Meens

Gegen 21.00 Uhr war die Zeit reif für ein Glas Wein und einen kleinen Imbiss unter dem Turm und vor der Kirche.


Für etliche Frauen und Männer aus dem Vorbereitungsteam war die Pause keine Pause, sondern der Zeitraum, während dessen sie die gesamte Kirche in Kerzenlicht eintauchten. Die Einführung zu diesem Teil gab Past.-Ref. Joachim Lenninghausen; er kündigte Claudia Nickel (Saxophon, Blockflöten) und den Pantomimen Peter Paul, beide aus Münster, an.

Nach einem Vorspiel der Saxophonistin begann Peter Paul - aussdrucksstark und wortlos, bei fast atemloser Stille in der Kirche. Was brachte er zum Ausdruck? Jeder mochte es anders, auch anderes gesehen haben: Himmel und Erde? das Sich-Emporrecken und Niederfallen? Einswerden mit der Erde? Erwartung? die Verbundenheit mit anderen Menschen? Einladung? Geben und Nehmen? Niemand traute sich, Beifall zu klatschen; es hätte die Situation auch

gesprengt; aber wohl nicht nur der Chronist hatte dringend den Wunsch, dem Pantomimen - und der Musikerin - außerordentliche Anerkennung und großen Dank zu sagen.

Nach so viel Anspannung und Konzentration war Bewegung nötig: Herr Lenninghausen lud ein, durch die Kirche zu gehen - auch in die Sakristei (Bilder hierüber), in die Marienkapelle und die Michaelskapelle - und in den Turm, um sich bei Brot und Wein zu stärken...


Nach der Pause begann der 3. Teil des Abends: zunächst in der Kirche, mit Psalmengesängen der Gruppe "Cantilena", leise, an der Grenze zum Nicht-Mehr-Hörbaren von der Orgel beantwortet - bis es dann so weit war, dass die Himmelsleiter zum Leuchten gebracht wurde:

Der Pantomimenkünstler nahm Kerzen vom Altar, verteilte sie an vier Frauen und Männer, und diese begleiteten Pfarrer Bünnagel dann vor die Kirche. Dieser las aus der Bibel die Geschichte von Jakobs Traum (Gen 28,10-22). Und dann erstrahlte die Leiter; bis zum Fest von Johannes dem Täufer, dem germanischen Tag der Sommersonnenwende, soll sie an unserer Pfarrkirche leuchten, eine Einladung an jeden, die Brücke von der Erde zum Himmel und vom Himmel zur Erde zu schlagen. - Anne Nolte spielte dazu auf der Flöte.

Der Künstler E. Lin - eine ähnliche Himmelsileiter hatte er in Füssen im Allgäu erstellt - konnte nicht anwesend sein; an seiner Statt begrüßte die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Frau Theissen, die Schwester des Künstlers.

Lange stand man noch draußen vor der Kirche,

redete, staunte, aß und trank - bis Orgel- und DJ-Musik wieder viele in die Kirche lockten - zum letzten Teil des Abends, besinnlich und entspannend zugleich - mit großartigen Ausblicken in die beleuchtete Kirche.


Vielleicht waren manche Kirchenbesucherinnen und -besucher bereits zu früheren Anlässen einem zu einem DJ+Orgel-Abend in der Kirche gewesen (23.04.2006; 25.08.2006). Der heutige Abend war ähnlich faszinierend wie die vorausgehenden, aber ruhiger, ein eher besinnlicher Ausklang der "Nacht der Sinne". Alexander Bös spielte und Ansgar Wallenhorst improvisierte u.a. Sabres of Paradise, Relaxon - in the beginning, Vision: The music of Hildegard von Bingen - so souverän und aufeinander eingespielt, als ob sie ständig miteinander konzertierten. Die Zuhörer genossen es: die einen von unten, von den Altarstufen mit dem Blick auf den DJ vor den die farbig leuchtenden Orgelpfeifen, die anderen von der Orgelbühne mit dem Blick auf die anderen Zuhörer unten und das in buntes Licht getauchte Kirchengewölbe oben.

Als kurz vor 23.30 Uhr der letze Ton verklang, kam dann doch endlich der Beifall auf, den die Besucher schon mehrfach im Laufe des Abends hatten spenden wollen: Viele hatten Applaus verdient - nicht nur Alexander Bös und Ansgar Wallenhorst, auch die Schola juvenalis, das Quartett Cantilena, Anne Nolte, Claudia Nickel, Peter Paul und Hans Müskens - und nicht zuletzt das Vorbereitungsteam.

Josef Pietron

Lesen Sie auch den Beitrag von Hans Müskens über die Nacht der Sinne für "Forum Kirche" 3/2008!

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